Lieblingsbild vorgestellt:

In regelmäßigem Wechsel wird jeweils ein Kunstwerk genauer betrachtet. Die Auswahl ist bewusst subjektiv und wird sicherlich das ganze Spektrum der Sammlung von 1896 bis heute wiederspiegeln.

 

Anton Kerschbaumer

Bahnhof Hallesches Tor mit Möckernbrücke

und Johanniter-Kirche, 1926

Tuschpinsel und Aquarell auf Papier

 

 

In den Jahren 1925 und 1926 entstehen im Werk von Anton Kerschbaumer zahlreiche Bilder mit Motiven entlang des Landwehrkanals in Berlin. Besonders den Bereich der Hochbahn an der Möckernbrücke und die Situation am Tempelhofer Ufer fängt Kerschbaumer zu verschiedenen Tageszeiten ein. Der Künstler lebt bereits seit 1919 dauerhaft in Berlin. Seine Bildmotive findet er auf seinen regelmäßigen Reisen durch Italien und Frankreich und auch zu Hause in Berlin.

Hier pflegt er Kontakte zu Max Kaus und Walter Gramatté und sieht sich in der Nachfolge der Künstlergruppe Die Brücke. Sein Stil ist dem späten Expressionismus der sogenannten „Zweiten Generation“ zuzurechnen.

Anton Kerschbaumer ist bis zu seinem frühen Tod im Jahr 1931 ein vielbeschäftigter Künstler, der u.a. auch eine eigene Kunstschule gründet und auf zahlreichen Reisen Freundschaften zu vielen bekannten Künstlern der Zeit pflegt.

Posthum werden einige seiner Werke von den Nationalsozialisten beschlagnahmt und in der Münchener Ausstellung "Entartete Kunst" diffamiert. So ist seitdem ein Ölbild mit dem Motiv „Kanal mit Hochbahn und Kirche II“ aus dem Jahr 1926 verschollen. Es wurde in der „Aktion Entartete Kunst“ aus dem Städtischen Kunstmuseum Düsseldorf beschlagnahmt. Das hier gezeigte Aquarell ist eine Studie zu diesem Motiv.

Das Jahr 1933 bedeutete für zahlreiche Künstlerinnen und Künstler eine tiefe Zäsur im persönlichen Lebenslauf und in der künstlerischen Entwicklung. Die Kunstdoktrin der Nationalsozialisten verurteilte die Avantgarde der Zeit, vernichtete ihre Werke und verfolgte ihre Künstlerinnen und Künstler bis in den Tod. Das Werk von Anton Kerschbaumer ist ein Beispiel für die nach 1933 in Deutschland unerwünschte Kunst.

Weitere Beispiele zu diesem Thema sind vom 29. Juni bis 3. September in der Ausstellung zur Sammlung im Willy-Brandt-Haus zu sehen.